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ES NERVT ! - Englische Jobtitel

 

Das Streben der Menschen nach beruflichem Erfolg und Karriere ist ja hinlänglich bekannt und mit einer ordentlichen Ausbildung und dem nötigen Fleiß und Ehrgeiz lässt sich so einiges erreichen.

 

Auch der Einsatz von Ellenbogen und die schöne Bezeichnung Mobbing - übrigens kein aus dem englischen importierter Begriff, sondern eine rein deutsche Erfindung - haben dem einen oder anderen schon zu mehr Geld in der Lohntüte, einem besseren Parkplatz und/oder einem Büro mit Fenster verholfen.

 

Was aber macht der gemeine PISA-Studien-Verderber, der sich Zeit seines Lebens nicht um Schule und Beruf, sondern um das Herunterladen von Handy-Klingeltönen und der Erlernung der Rapper-Sprache gekümmert hat? Irgendwann kommt wahrscheinlich auch er auf die Idee, dass es voll krass wäre, einen geilen Job zu haben, um die Homies damit zu beeindrucken und sich nen echt fetten Schlitten rauslassen zu können.

 

Nunja, mit einem abgebrochenen Hauptschulabschluss und darauf folgendem World-of-Warcraft Studium (8 Semester = 4 Jahre - Abschlusslevel 21) wird es nicht eben leicht, ins Top-Management eines börsennotierten Unternehmens aufzusteigen. Ob das anstrebenswert ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber dennoch, so ein „Chief Executive Officer“ macht sich schon gut auf der Visitenkarte. Wohlbemerkt auf einer echten, nicht der aus dem Automaten in der Bahnhofsunterführung!

 

Mit dem Firmen-Ferrari sieht es also schlecht aus und das eigene Büro mit einer langbeinigen Sekretärin wird ebenfalls eine Wunschvorstellung bleiben, aber was die Jobbezeichnung auf der Visitenkarte angeht, kann dem ungelernten Arbeitswilligen durchaus geholfen werden. Denn Managerposten gibt es mittlerweile an jeder Ecke, man sollte nur vermeiden, sich bei der Firma GORE zu bewerben. Nein, das handelt sich nicht um die Firma vom Beinahe-US-Präsidenten Al „F*** FLORIDA“ Gore, sondern die Erfinder und Hersteller von Gore-Tex, einer Membran, die in Funktionsbekleidung eingebaut, für Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität sorgt. Oder um es auf PISA-Deutsch zu sagen: nix rein – alles raus! Denn diese weltweit agierende Company – Entschuldigung: Firma - hat sich darauf geeinigt, allen auf der Gehaltsliste stehenden Menschen die gleiche Bezeichnung angedeihen zu lassen. Vom großen Chef bis zum Nachtportier sind dort alle „Associates“, was nichts anderes bedeutet als „Mitarbeiter“. Also kein Paradies für Titelfetischisten. Ansonsten aber ein grundsolides Unternehmen.

 

Wie wäre es also zum Beispiel mit „Facility Manager“? Einen dicken Karabiner für viele Schlüssel, einen Werkzeugkasten für kleinere Reparaturen und eine große Klappe, um die spielenden Kinder aus dem Keller zu verscheuchen, sind perfekte Einstiegsvoraussetzungen für diese Tätigkeit, die früher einmal unter der Bezeichnung Hausmeister bekannt war.

 

Wer die Worte „einen Moment bitte, ich verbinde“ kombiniert mit einer vorangestellten Begrüßungsfloskel á la „Firma XY, guten Tag, mein Name ist XYZ, was kann ich für sie tun?“ einigermaßen unfallfrei über die Lippen bekommt, könnte auch zum Incoming Communications Assistant Manager taugen und in der Telefonzentrale arbeiten. Ein paar Knöpfchen drücken sollte man auch noch können. Ist man unter 30 Jahre alt und hat Spaß am Verkauf von Wurstwaren in Supermärkten, bietet sich der Junior Assistant Sales Manager im Meat Products Department an. Bei über 30-jährigen wird aus Junior sogar Senior. Wenn das mal nicht wichtig klingt.

 

Aber all das ist kalter Kaffee im Vergleich zur wahrscheinlich schlechtest bezahlten Tätigkeit, die unser Land nach dem 1-Euro-Job und Spargelstechen zu bieten hat. Für titelgeile Nichtviel-Könner ist es allerdings das absolute Nirwana. Die Rede ist vom Assistant Frontdesk Sales Manager im Face-to-Face Marketing. Und nach Feierabend darf man sich auch gerne einen der nicht verkauften BigMacs mit nach Hause nehmen. Was will man mehr?

 

Von Werbeagenturen weiß man ja, dass dort jeder Posten mit einem, nur für Insider verständlichen, Begriff umschrieben wird, der den Unwissenden vor Erfurcht erzittern lässt. Aber braucht´s das wirklich auch an der Wursttheke? Muss denn heute jeder Depp Manager werden, auch wenn es durch „Assistant“ etwas abgemildert wird? Ich denke, ein Euro zusätzlich pro Stunde wäre deutlich mehr Motivation als dieser Quatsch! Aber wenn man mit ein paar netten Worten Geld sparen kann, muss man den Personalchefs, pardon den Human Ressources Managern, wohl gratulieren. Tolle Idee.

 

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(c) Michael Reimann 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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